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Interview mit Mark A.M. Kramer von MobileMonday Austria

Am Montag, dem 21.11., hat im Naturhistorischen Museum in Wien der „App Circus“ angehalten. Organisiert von MobileMonday Austria, Teil einer weltweiten Initiative, die sich um die Vernetzung der verschiedenen Akteure in der Mobiltechnologie bemüht. Das Faszinierende daran für mich liegt in der Weise, wie die Veranstaltungen organisiert sind. Lähmende akademische oder wirtschafliche Verhaltensweisen kommen in der erfrischend offenen Atmosphäre erst gar nicht auf. Ich konnte mich vor Ort von dem gelungenen Event überzeugen und habe Mark Kramer, Mitbegründer von MobileMonday Austria, danach vor das Mikrofon gebeten.

[Moi]

Was ist MobileMonday und was sind eure Ziele?

[Mark]

    Mobile Monday ist eigentlich ein selbstorganisierter Verein. Es hat in Helsinki vor 11, 12 Jahren ungefähr angefangen als ein informales Zusammentreffen von Leuten aus der Mobilindustrie. Sie haben den Montag gewählt, weil das der einzige Tag war an dem alle Zeit hatten. Ursprünglich hat es in einem Pub begonnen, jetzt gibt es den MoblieMonday weltweit in 60 Ländern und in Österreich seit mittlerweile 3 Jahren. Wir sind ein starkes, enges Team, allesamt Mitbegründer sozusagen.

[Moi]

Ihr habt MobileMonday vor 3 Jahren nach Österreich gebracht. Wie war die Anfangszeit? Was hat euch zu diesem Schritt motiviert?

[Mark]

    Die Kernidee war die: Es gibt so viel Mobilkompetenz in Österreich, tolle Entwickler, tolle Agenturen, sehr hohe allgemeine technische Kompetenz. Nicht, dass das die Welt nicht wüsste, aber durch das globale Netz von MobileMonday wird die Bekanntheit verstärkt. Somit weiß die ganze Welt, was Österreich zu bieten hat. Und, das ist ganz wesentlich, wir bringen die Mobilwelt in Österreich zusammen.

[Moi]

Es geht um mobile Services und um Apps, das könnte man doch genau so gut nur im Internet machen, warum diese Veranstaltungen in der Real World?

[Mark]

    Das ist die Kernidee von MobileMonday, sich im wirklichen Leben zu treffen, denn das persönliche Networken, der persönliche Kontakt ist hier immer stärker als im Virtuellen. Wir alle haben unsere Mobiles dabei (lacht), Mobilität von Menschen, Mobilität des Wissens, wir von MobileMonday fördern die Mobilität.

[Moi]

Der “App Circus” war heute eure 13. Veranstaltung. Wenn du auf alle 13 Veranstaltungen zurückblickst, was waren die Höhepunkte, eure größten Erfolge?

[Mark]

    Die erste Veranstaltung war für mich ein Highlight, zu wissen, dass wir es geschafft haben. Wir haben MobileMonday nach Österreich gebracht. Aber jede Veranstaltung ist einzigartig. Der App Circus ist der Höhepunkt und gleichzeitig Abschluss in jedem Jahr. Hier geben wir der Kompetenz der österreichischen Entwickler eine Plattform, hier kann sie sich präsentieren.

[Moi]

Der Vernetzungsaspekt ist zentral für euch, es gibt die Unternehmer, die Entwickler, Investoren, eine interessierte Öffentlichkeit. Wie hast du das empfunden, funktioniert die Vernetzung auf euren Veranstaltungen gut? Kannst du vielleicht ein Beispiel nennen, das aus einem Treffen an einem MobileMonday hervorgegegangen ist? Eine Initiative, ein Start-Up, Kooperationen oder ähnliches?

[Mark]

    MobileMonday bietet etwas für alle. Wir haben reine Wirtschaftler, Akademiker oder interessierte Menschen. Unser Publikum ist relativ jung und gleichzeitig sehr zukunftsorientiert. Ganz ehrlich, es sind Leute aus den verschiedensten Branchen, nicht nur aus der Mobilindustrie, auch andere Industrien sind neugierig auf das Potential der Mobilbranche… z.B. Du kommst aus der Lebensmittelindustrie, wie kannst du logistisch bessere Services bieten? Oder jemand kommt aus der Finanzbranche, nehmen wir den heutigen Sieger vom AppCircus “mobile-pocket”. Es ist ganz deutlich, dass Kundenkarten und Payments zusammen kommen. Österreich ist sehr stark in der NFC-Entwicklung und Forschung, weltweit führend.

[Moi]

Wie hat das dann funktioniert, ihr habt den MobileMonday nach Österreich gebracht. Ich bin hier beim 13. Event, dem AppCircus und es ist ein großer Erfolg. War es schwierig am Anfang die Öffentlichkeit zu erreichen?

[Mark]

    Fast jede Veranstaltung war voll. Das ist für uns ein Zeichen, dass es in Österreich eine große Nachfrage nach unseren Veranstaltungen gibt. Natürlich sind wir jetzt auf Wien konzentriert, aber wir haben viele Leute hier, sie kommen von überall her zu MobileMonday. Vielleicht verbreitet sich der MobileMonday in Zukunft nach Linz und Graz.

[Moi]

Wie sieht die Zukunft aus? Was habt ihr vor?

[Mark]

    Ich kann die Frage nur für mich persönlich beantworten. Wir wollen, dass MobileMonday eine nachhaltige, langfristige Zukunft hat und dass wir mehr mit MobileMondays aus den Nachbarländern zusammenarbeiten, beispielsweise Slowenien, Slowakei, Tschechien, Deutschland, Schweiz, Ungarn. Es gibt sehr viel Kompetenz im Osten, ein gutes Beispiel dafür ist Rumänien. Die tolle Kompetenz dort haben. Wien ist ein Zentrum, wir möchten Brücken bauen zu den MobileMondays in den Nachbarländern.

[Moi]

Das ist auch gleich meine nächste Frage. Wie sieht es mit der internationalen Verflechung aus? Es gibt Mobile Mondays in 80 Ländern und 140 Chapter, wie das heißt. Habt ihr Kontakt zu den MobileMondays in anderen Ländern, Deutschland z.B. und wie funktioniert hier die Kommunikation?

[Mark]

    Ein Teammember von uns war letzte Woche auf dem AppCircus in Düsseldorf. Wir haben sehr viel Kontakt mit anderen MobileMondays, Uk, London, zB, Helsinki, Barcelona. Wir sind in letzter Zeit sehr oft in Spanien.

[Moi]

Abschließende Frage: Heute war AppCircus, was hat dir am besten gefallen, was hat dich am meisten beeindruckt?

[Mark]

    MyTaxi. Diese Verknüpfung aus Need und Location-Based-Services war für mich persönlich das beste. Aber es waren alle Präsentationen spitze.

[Moi]

Vielen Dank für das Gespräch.

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Glockengeläute, oder unsere Neigung zu Kausalverknüpfungen, pt 1

Mein Freund J erzählt mir am Telephon, dass er etwas verkühlt ist, aber mittlerweile schon wieder am Wege der Besserung. Denn, so J nicht ohne Stolz, er nimmt ein homöopathisches Medikament dagegen. Die Freundin M leidet in Vollmondnächten unter starker Unruhe, sie ist aufgewühlt, kann nicht oder nur schwer einschlafen, ihr Puls ist spürbar schneller. Die beiden Beispiele sind verschieden, haben aber eines gemeinsam: In ihnen wird eine Kausalbeziehung vorausgesetzt: im ersten Fall bewirkt das Homöopathikum die Genesung, im zweiten verursacht der Vollmond die innere Unruhe. Und beide Freunde können außerdem ihre Vermutungen begründen. J sagt, dass ihm das Mittel schon viele Male geholfen hat, und nicht nur ihm, auch viele Bekannte schwören darauf. M kann neben ihren Erfahrungen auch noch eine physikalische Erklärung beisteuern: Wenn der Mond eine derartig starke Kraft auf die Erde ausübt, dass er die Gezeiten der Ozeane verursacht, dann sicherlich auch die schrecklichen psychischen Zustände in Vollmondnächten, schließlich besteht der Mensch ja zum großen Teil aus Wasser.

So weit, so gut. Bloß: Wie weiß man, ob hier eine Kausalität vorliegt, oder ob Dinge vielleicht verknüpft werden, die gar nichts miteinander zu tun haben?

Es gibt ein sehr anschauliches Gedankenexperiment dazu. Angenommen, in einem Dorf stehen zwei Kirchen, die jeweils zur vollen Stunde ihre Glocken läuten. Nun fügt es sich, dass die eine Kirche immer einige Sekunden vor der anderen mit dem Gebimmel beginnt. Liegt hier eine Kausalbeziehung vor? Verursacht das Läuten der einen das Läuten der anderen Kirche? Natürlich nicht, wir wissen, dass die beiden Ereignisse unabhängig voneinander stattfinden. Was aber,wenn uns ein Außerirdischer besuchte, der unsere Kultur nicht kennt, aber unsere Neigung zu Kausalverknüpfungen teilt? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er hier eine Kausalbeziehung ausmacht, schließlich lässt sich diese Hypothese doch stündlich überprüfen! Kaum beginnt die eine, setzt die andere schon ein.

Und jetzt die 7 Millionen Euro Frage: Wie kann man das Alien davon überzeugen, dass die beiden Kirchtürme nichts miteinander zu tun haben?